Am ersten Morgen rauchte der Docht, am zweiten vergaß Lina das Journal. Am dritten atmete sie einfach zehn Zyklen neben der Flamme. Plötzlich fühlte sich der Weg zur Haltestelle offener an. Kein Triumph, nur mehr Raum zwischen Reiz und Reaktion. Dieses kleine Polster aus Zeit wurde ihr liebster Luxus, der nichts kostete außer freundlicher Aufmerksamkeit.
Als eine Fremde ihr Parfüm lobte, bemerkte Lina, dass der Kerzenduft wie eine unsichtbare Brücke wirkte. Ein kurzer Austausch über Morgenrituale, zwei Lächeln, dann fuhr der Bus ein. Es blieb das Gefühl, dass Fürsorge ansteckend sein kann, wenn sie ehrlich, still und unaufdringlich geschieht. Zuhause legte sie ein Streichholz neben das Journal: ein kleines Andenken.
An einem dunklen Montag schrieb Lina: Du musst heute nichts beweisen, nur freundlich beginnen. Die Flamme stand ruhig, der Duft blieb zart. Später, im Wirbel der E-Mails, erinnerte sie kurz ihr Morgenlicht. Nicht als Pflicht, sondern als Einladung. Ein Satz genügte, um den Puls zu senken und wieder den eigenen Takt zu hören.
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